Freiwilligendienste in Deutschland

Man wird ein anderer Mensch

Erfahrungsbericht von Petar aus Bulgarien

Vor 14 Monaten saß ich bei Violeta Kyoseva in Burgas (Bulgarien) im Büro der FAR (Verein für demokratische Entwicklung). Sie schlug mir ein einjähriges Praktikum beim Internationalen Bauorden in Deutschland vor. Damals sah ich darin keinen Sinn, aber heute bin ich sehr froh, mich dafür entschieden zu haben. Viel dazu beigetragen hat Georgi Ivanov, einer meiner Vorgänger, der mich in Mails und Telefonaten ausführlich über den Bauorden und die Arbeit informierte. Mein guter Freund Champlain aus Kamerun, der wie ich als Freiwilliger beim Bauorden war, sagte es treffend: „IBO changes life“. Das stimmt, man kommt und führt ein wunderschönes Bauordenleben, macht viele Erfahrungen und verändert dadurch die eigenen Ansichten und Prinzipien – man wird ein anderer Mensch.

Champlain, Petar, Plamen und Albertas bei einem Baucamp in BayernZu sehen, wie sich Menschen für etwas einsetzen, für ihre Ziele kämpfen oder ein alternatives, manchmal abgeschiedenes Leben führen, das beeindruckt. Ich bin froh, dass ich im Verlauf meiner 27 Baulager so vielen Leuten bei der Verwirklichung ihrer Projekte helfen konnte. Wir halfen im Kloster, in Kommunen, Kindergärten, Seminarhäusern, Häusern für Alkoholiker oder Drogenabhängigen und bei vielen kleinen Gemeinschaften. Neben Projekten in großen Städten wie Berlin, Schwerin, Kiel, Heidelberg, Speyer und Mainz, unterstützten wir auch Vorhaben in echt kleinen Dörfern. Mein Lieblingsprojekt war Olgashof bei Wismar. Das Projekt vereint ein Architekturbüro, ein Seminarhaus, einen kleinen Biohof und eine alternative Kommune. Dort gibt es alles, was ein Freiwilliger braucht: genug Arbeit, ohne die es kein Projekt geben kann. Außerdem bekommt man an jedem Arbeitstag eine ausführliche Beschreibung vom Architekten, bei der man viel lernen kann. Es bestehen gute Freizeitmöglichkeiten, denn Olgashof liegt in einem kleinen Wald zwischen Wismar und Schwerin, wo es echt ruhig ist und man sich gut ausruhen kann, zugleich aber die nahen Städte und die Ostsee für interessante Ausflüge erreicht. Fast alles Essen wird selbst im eigenen Garten angebaut. Denn gesundes und leckeres Essen sorgt auch für gute Stimmung.

Aber viel wichtiger als der Ort und die Gegebenheiten ist für mich die Gruppe, sind die Menschen mit denen ich zusammen arbeite. Gibt es eine gute Gemeinschaft, gibt es ein gutes und lustiges Projekt, man hat viel Spaß zusammen und die Arbeit fällt leicht. Es gab nicht nur die Baulager. Wir waren immer wieder im Büro in Worms und haben dort geholfen: Telefondienst, Infoveranstaltungen für Schüler, Kopieren, na ja, alles, was wir konnten und nötig war.

Champlain und Petar mit dem Banner des BauordensBesonders toll finde ich außerdem das Angebot und Engagement, mit dem sich der Bauorden selbst um seine Freiwilligen kümmert. Angefangen von tollen Ausflügen in die nähere Umgebung bis hin zu Ausflügen über mehrere Tage. Als ich gerade in Deutschland ankam, unternahmen wir an einem meiner ersten Wochenenden mit dem VW-Bus des Bauordens eine Fahrt nach Paris. Das war viele Jahre ein großer Traum von mir. Dieses Jahr sind wir sogar nach Auschwitz und Krakau in Polen geflogen und haben uns das ehemalige KZ Auschwitz angesehen. In diesen drei Tagen habe ich einiges über die deutsche Geschichte gelernt. Aber als wir mit Wiltrud Wiemold die Führung durch die Gedenkstätte machten, war die Stimmung sehr gedrückt.

Und dann gab es noch das jährliche Teilnehmertreffen, bei dem sich alle Freiwilligen im Oktober vergangenen Jahres für drei Tage in Worms trafen. Es wurde viel besprochen und diskutiert, was läuft gut und was kann man besser machen, was bereitet Spaß und was weniger. Man sieht alle Leute wieder, mit denen man über das Jahr verteilt gearbeitet hat. Wir saßen bis spät in die Nacht zusammen, haben erzählt und Pläne geschmiedet. Die drei Tage im Brückenturm am Rhein vergingen viel zu schnell. Jetzt freue ich mich schon auf das nächste Teilnehmertreffen in Leipzig.

Petar bei der ArbeitBeinahe hätte ich etwas Wichtiges vergessen: Toll war unser Praktikum beim Bundestagsabgeordneten Klaus Hagemann in Berlin. Eine Woche lang begleiteten wir ihn bei allen Terminen im Bundestag, in den Ausschüssen und bei anderen Gelegenheiten. Das war eine gute Woche.

Viel Kritik kann ich nicht äußern. Manchmal gibt es kleine Probleme. Nicht bei der Arbeit, sondern wegen der anstrengenden Fahrten von Projekt zu Projekt. Wir saßen an jedem zweiten Wochenende acht Stunden und mehr im Zug und fuhren durch ganz Deutschland. Aber da wir immer eine nette Reisegruppe bildeten, war das auch nicht schlimm. Ja, wir Freiwillige des Bauordens waren ein gutes Team – das beste Team überhaupt.

Ich könnte noch viel erzählen und schreiben, aber das ist nicht so meine Sache. Ich packe lieber an. Vielleicht war deshalb der Bauorden das richtige für mich. Die vergangenen 14 Monate waren die interessantesten und lustigsten meines Lebens und ich werde mich gerne an die Zeit beim Bauorden zurück erinnern. Wenn meine Hilfe gebraucht wird, will ich den Bauorden gerne weiterhin unterstützen.

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