Freiwilligendienste in Deutschland

Erfahrungsbericht von Ildar

Ich heiße Ildar. Ich bin aus Russland, aus der Stadt Ufa in Baschkortostan. Zu Hause studiere ich Germanistik an der Uni. In diesem Sommer war ich Praktikant für drei Monate beim Internationalen Bauorden. Das waren drei tolle Monate für mich in Deutschland. Ich habe viel über Deutschland gelesen und mit Hilfe dieses Projekts habe ich das Leben der Deutschen mit eigenen Augen gesehen und kennen gelernt. Ich war durch ganz Deutschland von Norden nach Süden, von Westen nach Osten gefahren. Ich habe an acht verschiedenen Baucamps teilgenommen.

Mein erstes Baulager war in Kirchheim am Ries. Das ist in Baden-Württemberg an der Grenze mit Bayern. An diesem Projekt haben auch andere junge Leute aus Russland, Bulgarien, Polen und Deutschland teilgenommen. Ich möchte sagen, dass die Arbeit und die Organisation dieser Arbeit verschieden war. Einige Baulager waren schwer, andere leicht, einige interessant, andere waren langweilig, aber mir hat alles gefallen. In Kirchheim haben wir ein Altenheim renoviert. Es gab hier Maurerarbeiten und Malerarbeiten, Abbau altes Solarsystems, Renovierung der Badezimmer und andere Arbeit. Und im Internationalen Bauorden gibt es junge Leute aus verschiedenen Ländern, die ein Jahr Praktikum machen. Wir haben uns kennen gelernt und jetzt sind wir gute Freunde. Wir haben viele Projekte zusammen gemacht. Der erste Praktikant, den ich kennen gelernt habe, war Plamen aus Bulgarien. Er macht alles sehr gut und kann jede Arbeit machen, die er bekommt. Er spricht nicht viel, aber immer richtig und nur das wichtigste. Das war ein sehr interessantes Baulager. Wir haben nach der Arbeit gewandert, geschwommen, Fußball und Tennis gespielt.

Nach diesem Baucamp war ein Projekt in Ochtendung, das ist in der Nähe von Koblenz. Hier wurde ein altes Hotel mit Restaurant in ein Haus für junge Mütter, die in schwieriger Situation sind, renoviert. Außer mir waren hier Jungen und Mädels aus den Niederlanden, ein Mädel aus Deutschland, ein Junge aus Russland, Plamen aus Bulgarien und ein Junge aus Litauen. Dieser Junge aus Litauen heißt Albertas, er ist der zweite Praktikant, den ich kennen gelernt habe. Er ist ein sehr lustiger Mensch und ein sehr guter Freund. Wir haben fünf Baulager zusammen gemacht. Das war immer gut und lustig. Er erzählte verschiedene lustige Geschichten und half uns damit bei der Arbeit. Wenn etwas war nicht gut, wieder eine neue lustige Geschichte und wieder war alles in Ordnung. Das war toll. Die Arbeit bestand darin, dass wir Badezimmer renoviert, gefliest, tapeziert und Putz abgeschlagen haben. Am Wochenende waren wir in Koblenz. Das ist eine sehr schöne Stadt und hat die Benennung „Deutsches Eck“, weil hier Rhein und Mosel zusammen kommen. Das andere Junge aus Russland, der Ozod heißt, sprach fast kein Deutsch und ich habe ihm gedolmetscht, er war auch Praktikant für drei Monate. So begann hier meine Praxis beim Dolmetschen. Aber nach zwei Monaten brauchte er meine Hilfe nicht so oft.

Ildar und Plamen streichen einen FensterrahmenDann fuhr ich nach Neuhof. Das ist eine Stadt in der Nähe von Berlin und Potsdam. Hier war eines der schwersten Projekte für mich und die anderen. Aber das war sehr interessant. Die Schwierigkeit für mich bestand darin, dass hier ein Junge aus Italien war, der kein Deutsch sprach, nur Englisch und musste alle meine Kenntnisse in Englisch gebrauchen, um zu kommunizieren. Auch die Arbeit war schwer – aber das war eine Herausforderung, die wir gemeistert haben. Und nach zwei Tagen war alles in Ordnung und sehr gut. Hier waren junge Leute aus Russland, Italien, Bulgarien und Kamerun. Hier habe ich zwei andere Jungen, die Praktikanten für ein Jahr sind, kennen gelernt. Das sind Peter aus Bulgarien und Champlain aus Kamerun. Peter ist ein lustiger Mensch, der kann alles machen, wenn er Lust dazu hat. Wir haben uns befreundet und haben verschiedene lustige Sachen zusammen gemacht. Er spricht sehr viel, aber das ist nicht schlecht. Champlain hat mir auch gefallen. Er hat keine Angst vor der Arbeit und macht alles. Wir haben zusammen gearbeitet und Fußball gespielt. Er ist ein angenehmer Mensch und es ist interessant, mit ihm zu sprechen. Und wie die anderen drei Praktikanten für ein Jahr ist er auch lustig.

Wir haben in einer Kommunität gearbeitet, wo Leute gegen Drogen- und Trinksucht eine einjährige Therapie gemacht haben. Der Leiter dieses Projektes, Kamillo Novak, ist ein sehr kluger, interessanter, freundlicher Mensch. Ich denke, das war sehr gut für mich, ihn kennen zu lernen. Er hat uns viel über seine Erfahrungen und das Leben erzählt. Er kennt fünf Sprachen und auch Russisch. Es gibt viel zu tun in diesem Baucamp. Wir haben landwirtschaftliche Arbeit gemacht, Wände aus Steinen abgemacht. Wir wohnten in Bauwagen. Das war auch eine neue Erfahrung für mich. Nach der Arbeit fuhren wir zum Fluss zum Schwimmen, wir haben in Potsdam das russische Dorf Alexandrowa und das Schloss Sanssouci besucht, wir waren im Nonnenkloster, am Denkmal für russische Soldaten in der Nähe von Neuhof. Auch waren wir in der Stadt Jüterbog. Am Wochenende haben wir Berlin besucht. Ich war dort im vorigen Jahr und war jetzt als Fremdenführer für die anderen. Ich habe die meisten sehenswerte Denkmäler von Berlin gezeigt wie Brandenburger Tor, Reichstag, den Fernsehturm, die Botschaften verschiedener Länder in Deutschland, die Siegessäule und den Rest der Berliner Mauer. Und wir waren den ganzen Tag zu Fuß durch ganz Berlin spazieren gegangen. Nach diesem Projekt war ein Baulager in der Nähe von Worms in Obrigheim. Wir haben Worms auch kennen gelernt. Wir waren am jüdischen Friedhof; am Marktplatz, in der Altstadt, im Einkaufszentrum.

Dann war ein Projekt noch einmal in der Nähe von Berlin, in Joachimsthal. Und wir waren vier Jungen: zwei aus Russland, Champlain aus Kamerun und Albertas aus Litauen. Dort haben wir in einer Gemeinschaft gearbeitet. Für Leute in dieser Gemeinschaft war egal welche Religion ist bei anderen, Frieden zwischen allen Leuten war Lösung dieser Kommunität. Wir haben drei Häuser dieser Kommunität renoviert: Putz abgeschlagen und das Fundament mit schwarzer Farbe gegen Wasser gestrichen. Am Wochenende waren wir noch mal in Berlin und ich habe Berliner Fernsehturm besucht. Das war wunderbar, wunderschön.

Es war sehr interessantes Fest in Essen, das „Love Parade“ heißt. Das war sehr schön und laut. Schon im Zug war Gefühl des Festes, viele junge Leute und nicht nur junge fuhren nach Essen. Am Samstag waren Leute aus verschiedenen Ländern in Essen und es waren mehr als 1,5 Millionen Menschen. Viele Leute, bunte Farben, laute Musik – das sind die Attribute dieses Festes.

Dann sind wir nach Rüdesheim am Rhein gefahren. Das war wunderbar, wunderschön, toll und sehr gut. Das ist in der Nähe von Wiesbaden, Mainz. Wir haben dort im Kloster Nothgottes gearbeitet. Die Leute in diesem Kloster waren sehr nett und freundlich. Das spielt auch sehr gute Rolle. Die Arbeit war Schleifen, Streichen der Fenster und Waschen der Kapelle. Und jeden Abend waren wir mit dem Auto den Rhein entlang gefahren. Wir waren am Niederwalddenkmal, an der Loreley, in einigen Burgen und Städten den Rhein entlang. Ich habe keine Worte, um diese Schönheit zu beschreiben. Das war sehr schön.

Und dann war ein Projekt in Saarmund, in der Nähe von Potsdam. Die jungen Leute aus Rumänien, Litauen, Estland, Deutschland, Bulgarien und Russland haben ein Haus für Pilger gemacht. Wir haben Putz abgeschlagen, neue Putz gefugt, Erde ausgegraben für Wasserleitung und Elektrizität. Das Wetter war nicht sehr gut und am Wochenende waren wir in Saarmund und haben ein neues Spiel „Siedler“ gefunden. Das ist sehr interessantes Spiel.

Mein letztes Baulager war in Kiel. Hier werden 13 Häuser für Sinti und Roma gebaut. Wir haben Fließen getragen, Türen getragen und gebaut. Am Mittwoch waren wir in Flensburg. Der Projektleiter hat uns eingeladen. Er hat uns Flensburg und einen kleinen Teil Dänemarks gezeigt. Das ist eine schöne Gegend. Am Wochenende haben wir einen Ausflug gemacht. Alles war wunderbar an diesem Baucamp.

Das waren drei sehr gute und tolle Monate in Deutschland für mich. Ich habe das Leben der Deutschen mit eigenen Augen gesehen. Ich habe die Unterschiede zwischen Norden und Süden, zwischen Westen und Osten Deutschlands bemerkt. Für mich als Germanistikstudenten war es interessant, die deutschen Dialekte zu hören. Ich habe junge Leute aus verschiedenen Ländern kennen gelernt und habe jetzt viele Freunde. Besonders habe ich mich mit Plamen, Albertas, Champlain und Peter befreundet. Wir haben zusammen viel gearbeitet und das war sehr lustig, toll, interessant, wunderbar und einfach gut. Ich denke Internationaler Bauorden spielt sehr wichtige Rolle für Frieden in der Welt. Leute aus verschiedenen Ländern arbeiten zusammen, wohnen zusammen und lernen einander kennen. Das finde ich sehr gut.

Danke schön, dass ich an diesem Projekt teilnehmen konnte, ich komme gerne wieder!

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