Baucamps

Erfahrungsberichte

Bauwochen in der Slowakei

Meine Ankunft

Ich startete am Samstag, dem 13. August um 21.00 Uhr am Leipziger Hauptbahnhof... und es folgten 14 Stunden anstrengende Zugfahrt. Aber die Züge waren - kaum zu glauben- pünktlich und ich erreichte planmäßig gegen Mittag des nächsten Tages den Bahnhof in Malacky. Dort wurde ich bereits von Dominik Dobrovodsky, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bauordens, erwartet und "eingesammelt".

Das internationale Team

Im Laufe des Sonntages hat sich unsere Gruppe rasch vervollständigt. Schon am Abend zuvor war William angekommen. Kurz nach mir traf Massimilano ein. Ein sehr ruhiger und freundlicher Sizilianer. Nach einem vorzüglichen Mittagessen bei Dominik holten wir die zwei Niederländerinnen, Barbara und Patrizia, vom Bahnhof ab. Auf Anhieb waren zwei Dinge absolut klar: erstens: Mit den drei Niederländern würden wir eine Menge Spaß haben; zweitens: Wenn ich alle Späße verstehen wollte, müsste ich in Rekordzeit Niederländisch lernen! Nach einer kurzen Wartezeit stieg die Österreicherin Doris aus dem Zug. Wie sich bald herausstellte, das reinste Sprachgenie. Nach einem kleinen Spaziergang durch Malacky ging es zurück in unsere Unterkunft. Dort trafen wir Jan, der als Tscheche mit slowakischen Sprachkenntnissen, bald zum begehrten Dolmetscher wurde. Zu guter Letzt kam mitten in der Nacht Gabriele, der zweite Italiener, an. Unsere Gruppe wurde noch durch örtliche slowakische Jugendliche verstärkt.

Unterbringung in der Bibliothek des Pfarrhauses

Die Unterbringung unserer Gruppe erfolgte im Pfarrhaus. Über eine Art Kreuzgang verbunden bewohnten wir zwei Räume, eine Küche und ein "Bad", sowie z.T. den Kreuzgang selbst. Der Schlafraum der Ladies, war eine Bibliothek, die vorrübergehend durch zwei, drei Liegen ergänzt wurde. Der Schlafraum der Jungs, eine Art Versammlungsstätte, mit zahlreichen -zum Teil lebensgroßen - Heiligenbildern verziert und ebenfalls durch Liegen ergänzt. Dieses Zimmer war zugleich auch unser Essraum und besaß einen direkten Zugang zur Küche. Im Kreuzgang stand noch eine sehr bequeme Couchgarnitur zur Verfügung. Kein Luxus, aber doch weit mehr als nötig. Für die Versorgung, sprich Einkauf, Kochen und Abwaschen, waren wir selbst zuständig und wir hatten immer super Essen. Ein kleines Problem stellte lediglich die Warmwasserversorgung dar, die nach einem Prinzip funktionierte, in dem ich bis zum Schluss kein System finden konnte. Beim Duschen etwas hinderlich, aber man gewöhnte sich daran. Die Stadt Malacky besteht im Kern aus einer einfachen Straßenkreuzung um die sich die wichtigsten Gebäude gruppierten: Einkaufsmöglichkeiten wie Bäcker, Supermarkt und Co; ein Sportzentrum mit Schwimmhalle und natürlich die Kirche mit der Schule. Der Bahnhof war immerhin noch in Laufentfernung und unsere Arbeitsstätte bequem mit dem Fahrrad zu erreichen.

Die Arbeit - eine neue Obdachlosenunterkunft

Das Wichtigste, neben allem Spaß und Kennen lernen, war natürlich die Arbeit. Unsere  Aufgabe bestand darin einen alten und etwas heruntergekommenen Kindergarten auf Vordermann zu bringen. Denn dort sollten Obdachlose bereits im nächsten Winter Zuflucht vor dem Frost finden können. Ein großer Teil der notwendigen Arbeiten hatten dabei schon unsere beiden Vorgängergruppen erledigt. Trotzdem gab es noch genügend Arbeit. Alle Räume wurden gestrichen und hinterher gründlich geputzt. Fenster wurden abgeschliffen, verkittet und neu gestrichen. Die Heizkörper abzuschleifen und dann mit frischer Farbe zu  versehen, war eine weitere Aufgabe, der wir uns ebenfalls mit viel Elan annahmen. Die  Arbeit begann, jeden Morgen nach dem Frühstück, gegen halb Neun (nur zwei Mal, aufgrund einer Fahrradpanne bzw. eines übermäßig kräftigen Regengusses etwas verspätet). Dusan, unser "Meister", verteilte die Aufgaben und half uns bei der Arbeit. Zum Mittag fuhren wir immer zurück, um in der Schulküche zu essen. Nach dem Mittag ging es wieder an die Arbeit, wo wir manchmal nachmittags von Anna, der Betreuerin des Projekts mit einem frisch gebackenen Kuchen und Kaffee überrascht wurden. Kurz nach siebzehn Uhr traten wir meist wieder den Heimweg an.

Diskussionen über Gott und die Welt

Nach der Arbeit begann die Freizeit! Allerdings nicht für den eingeteilten Küchendienst. Einkauf und Kochen standen hier zunächst auf dem Programm. Wenn wir schließlich nach der ausgedehnten Mahlzeit und dem Abwasch noch nicht zu müde waren, wurde reichlich über "Gott und die Welt" diskutiert, Lebensgeschichten erzählt, Tagebuch geschrieben, gespielt und musiziert. Am Wochenende machten wir Wien bzw. Bratislava unsicher. Wir besuchten ein Jazzkonzert und hatten noch das Vergnügen eines Grillabends bei Dominik und seiner Familie. Am Freitagabend der zweiten Woche wurden wir zu einer kleinen (religiösen, aber nicht aufdringlich religiösen) Feierstunde gebeten. Bei Gesang und Kuchen wurde die Heiterkeit dieser Gemeinschaft deutlich, und jedem von uns acht  Bauordenshelfern nochmals bewusst, wie viel unsere Arbeit den Menschen hier bedeutete. 

Fazit: großartig!

Alles in allem: es war wirklich super, sogar besser als mein letztes Baulager. Wir waren ein super Team ohne Schwierigkeiten und Komplikationen. Der Umgang unter uns war sowieso immer sehr freundlich, höflich und rücksichtsvoll, wobei der Humor nicht auf der Strecke blieb. Der Umgang mit den Menschen vor Ort war großartig. Unsere Arbeit wurde sehr geschätzt und wir spürten immer eine große Dankbarkeit. Allen diesen Leuten ein riesengroßes Dankeschön und viel Erfolg bei ihrer Arbeit!

Stefanie (20) aus Laucha studiert in Leipzig Architektur.

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