Baucamps

Erfahrungsberichte

Renovierungsarbeiten in einem ukrainischen Waisenhaus

 

Liebe Freunde vom Bauorden, 

bereits die Hinfahrt nach Mykulychyn mit der Bahn im EuroNight über München und Budapest war eine kleine Herausforderung. Trotzdem die Reise hat gut geklappt… und das Baulager auch! 

Der Arbeitsalltag begann für deutsche Verhältnisse spät: 8:45 Uhr gemeinsames Frühstück, nachdem die freiwilligen Helfer um 7:00 Uhr durch Lautsprechermusik und Morgenappelle aus einem nahe gelegenen Jugendcamp geweckt worden waren, Mittagessen 13:45 Uhr, Abendessen 18:45. Die tägliche Arbeitszeit lag bei acht bis neun Stunden. Verpflegt wurde unser Bauordentrupp in dem benachbarten großen Feriencamp für ukrainische Schüler. Das Essen war einfach: Vier nahrhafte Grundnahrungsmittel, Kartoffeln, Nudeln, Graupen und Reis, garniert mit Tomaten oder Gurkenschnitten, als Beilage Weißbrot und Butter, fast durchweg dazu Frikadellen, wurden dreimal am Tag und siebenmal in der Woche variiert. Ein Nachschlag war immer möglich, denn körperliche Arbeit am Bau macht nicht nur müde, sondern auch hungrig.

Einfachste Arbeitsbedingungen

Das staatliche Waisenhaus ist in einem ehemaligen Kloster, einem massiven Mauerwerksgebäude (Knaben) und mehreren Nebengebäuden aus einfachem Holzfachwerk untergebracht (eines davon Mädchentrakt). Diese sind nicht unterkellert und zum Teil auf gemauerten Einzelfundamenten aufgesetzt. Der teilweise abgesackte Mädchentrakt war neu zu unterfangen, musste dazu aber durch Anheben mit primitivem Hebezeug wieder in die Waage gebracht und außerdem mit Hilfe von einfachstem Schalmaterial mit einem neuen Betonsockel versehen werden. Kies und Sand musste erst beschafft werden, und zwar nicht durch Abruf aus dem Kieswerk. Zunächst wurde ein Besitzer eines ausgemusterten ehemaligen russischen Armee-LKW organisiert und dann nach ca. 5 km Fahrt aus dem Pruth von einer Sandbank von Hand aufgeladen. Der fertige Beton, anfangs in einer Holzwanne gemischt, später per Kleinmischer, wurde mangels Schubkarren mit Kübeln zum Einbau befördert.

Eine zweite Gruppe war in der dem Waisenhaus angegliederten Schreinerlehrlingswerkstatt mit dem Anfertigen von Fenstern beschäftigt. Es waren einfachverglaste Sprossenfenster in der Machart unserer alten Kasten- (Winter-) Fenster herzustellen. Sämtliche Profile wurden selbst gefräst, die Eckverbindungen z.B. mit Holznägeln gesichert und komplett von Hand geschliffen und - wo notwendig - verspachtelt. 

Untergebracht waren wir Freiwilligen in nicht belegten, beengten und spartanisch ausgestatteten Räumlichkeiten des Kinderheims, geschlafen wurde in deutschen Bundeswehrfeldbetten aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Gastfreundschaft und Bergtouren

Trotz offensichtlicher Armut waren spontane Einladungen zu abendlichen Gartenfesten an reich gedeckten, selbst gezimmerten Gartengarnituren bei Bier und Wodka keine Seltenheit. Die Freizeitmöglichkeiten waren bescheiden, aber den Verhältnissen angemessen: abendliches Ballspielen und gemeinsames Feiern, am Wochenende ein ganztägiger Stadtbummel in Invano-Frankivsk, eine Höhen- bzw. Almwanderung in den Karpaten und der Aufstieg auf den Hoverla, den höchsten Berg der Ukraine, in dessen Umgebung bereits Ansätze zur touristischen Entwicklung zu erkennen sind. 

Der dreiwöchige unentgeltliche Arbeitseinsatz der Bauordensleute (die Gruppe hat gut gearbeitet) mitten im kleinräumigen ländlichen Bereich unter aufgeschlossenen und gastfreundlichen Menschen war nicht nur eine hochwillkommene Unterstützung für das staatliche Waisenhaus und den deutschen Unterstützungsverein "Gebt ihr ihnen zu essen e.V." aus Aichach mit seinem ständigen Vertreter und Organisator vor Ort, Uwe König, sondern auch eine tolle Bereicherung für alle Teilnehmer.

Mit der Teilnahme am Auswertungstreffen der Baulagersaison 2006 Anfang November in Leipzig und meiner Jahresspende werde ich mein diesjähriges Engagement für den internationalen Bauorden abschließen. Nächstes Jahr bin ich dann aber gerne wieder bei einem Bauordenseinsatz dabei. 

Viele Grüße aus Ziertheim, Euer Johann 

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