Baucamps

Erfahrungsberichte

Spaß trotz Schwielen an den Händen

Das Bauprojekt auf dem Hofgut Oberfeld in Darmstadt begann am 12. August und es war unser Ziel, innerhalb von 2 Wochen, ein komplett neues Backhaus zu errichten.

Hofgut Oberfeld ist ein ökologisch ausgerichteter Bauernhof am Rande Darmstadts, der im Laufe der nächsten Jahre eine heilpädagogische Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung beheimaten soll. Dort wird Wohnraum für ungefähr 25 Jugendliche entstehen und die Möglichkeit für 50 junge Menschen in verschiedenen Werkstätten, wie z. B. Handweberei oder Bäckerei zu arbeiten.

Backhaus nach traditionellem Vorbild

Der Auftrag der Bauorden-Freiwilligen war: "ein Backhaus nach traditionellem Vorbild zu bauen". So formulierte der Leiter dieses Projektes, Klaus Plischke, der auch der stellvertretende Vorsitzende der Initiative "Domäne Oberfeld e.V." ist, das vor uns stehende Ziel.

Es klang nach einer sehr interessanten und aufregenden Arbeit, obwohl jeder unserer Gruppe die Erreichung dieses Zieles in einer so kurzen Zeit vorerst bezweifelte… vor allem von uns Jugendlichen, die fast noch nie handwerklich gearbeitet haben...

"Welcome to the Bauorden"

Unser Zusammentreffen und -leben begann schon am Samstag, den 11. August, da wir, die Praktikanten des IBO's, die Baucampteilnehmer aus Bulgarien vom Flughafen Frankfurt mit dem "Welcome to the Bauorden"-Schild begrüsst und zum Einsatzort gefahren hatten. Klaus Plischke, der nette Leiter:), dem die Baucampteilnehmer im Laufe des Projektes den Spitznamen "Klausmeister" gaben, war schon da und organisierte für uns eine kleine Führung auf dem Hofgut. Am Abend wurde das weltbekannte Spiel Monopoly gespielt.

Jeden Sonntag wird auf dem Hofgut Oberfeld ein Kaffe- und Kuchenfest veranstaltet. So auch an diesem Sonntag nach unserer Ankunft... mmmhh... Lecker!.. Und gleich danach ging unsere Gruppe mit Klaus durch den Rosengarten zur Mathildenhöhe, bestieg den Hochzeitsturm ZU FUSS und schaute sich die Russische Kapelle an. Nach der Exkursion waren alle sehr müde. So blieben wir in unserem neuen Zuhause und nutzten die Zeit dafür, uns näher kennen zu lernen.

Ein alter Hühnerstall...

Eine Freiwillige arbeitet am neuen Lehmofen

Am nächsten Tag wurde mit der Arbeit begonnen. Der frühere Hühnerstall sollte als Vorbereitungsraum dienen und außerhalb des Gebäudes sollte unsere Freiwilligengruppe des Internationalen Bauordens das neue Backhaus bauen. Damit wir wussten, was zu tun war und wie unser Werk danach aussehen sollte, zeigte uns Klaus Plischke seine Zeichnungen davon und wir durften uns in Gruppen aufteilen, wovon jede eine andere Aufgabe bekam. In der ersten Woche wurde nur aufgeräumt, weil der Raum komplett mit alten Dingen voll gestopft war; dann wurde ein Loch nach außen gemacht, das Fundament erstellt und die ersten Ziegeln gelegt. Auch der Regen machte den Jugendlichen nichts aus - die Arbeit ging kontinuierlich weiter. Obwohl, ich erwähne es noch einmal, die Gruppe es immer noch stark anzweifelte, den Backofen noch vor ihrer Abreise, welche jeden Tag leider näher und näher kam, fertig zu sehen.

Eine Sonne aus Holz

Parallel zum Bau des Holzbackofens bekamen die Jugendlichen auch die Möglichkeit und die Ehre mit dem Schweizer Künstler Roger Rigorth eine Holzskulptur herzustellen. Es sollte eine Halbsonne mit 9 Strahlen sein, so hatte jeder die Möglichkeit einen eigenen Strahl zu fertigen. Es war nicht leicht, aber mit ein wenig Zielstrebigkeit und der professionellen Hilfe von Roger, der eine Ausbildung zum Holzbildhauer absolvierte, war alles doch nicht so schwer. :) Wenn ich jetzt unsere fertige hölzerne Sonne anschaue, sehe ich gleich unsere ganze Freiwilligengruppe vor mir... wie sie lächeln und allen Leuten ihre Wärme und Freude schenken... Vor allem an diesen kalten Herbsttagen ist die Sonne so erwünscht, wie die Hilfe von engagierten jungen Leuten aus ganz Europa in den zahlreichen sozialen Projekten, in denen der Bauorden hilft, erwünscht ist!

"Spaß trotz Schwielen an den Händen. 10 Jugendliche aus 4 europäischen Ländern bauen ein traditionelles Backhaus" stand am 20. August 2007 im Darmstädter Echo drin. Und es war auch so.

Wird das Backhaus fertig?

In der zweiten Woche konnte man schon die ersten Umrisse des Ofens sehen, im Inneren des Vorbereitungsraumes wurden die Wände verputzt. Auch die Zweifel am Gelingen des Projektes verschwanden. Geblieben war nur der große Wunsch, den Backofen bis Freitag so fertig zu stellen, dass das ganze Hofgut Oberfeld am Ende der Woche darin selbstgemachte Pizzas und Brot backen konnte.

Zwei Freiwillige machen PauseSo arbeiteten die Teilnehmer, die übrigens aus Bulgarien, Belgien, Deutschland und der Ukraine stammten, fast pausenlos und länger als der eigentliche Arbeitstag, obwohl der Leiter des Projektes sie nicht darum gebeten hatte. Ein paar mal wurde den Freiwilligen auch von jungen Leuten geholfen, die in der Nähe wohnten oder über dieses Projekt gehört oder in der Zeitung gelesen hatten. So bekam die Gruppe manchmal noch ein wenig Unterstützung von einem Paar "starken männlichen Händen". :)

Und es hat sich alles gelohnt! Am Freitag wurde tatsächlich gebacken - 30 Pizzas und ca. 30 Brote wurden gemacht und gemeinsam mit anderen, zu dem Hofgut gehörigen Menschen, mit Freude aufgegessen. Außerdem gestalteten die Teilnehmer rund um Backofen herum ein schönes Mosaik, was diesen noch schöner machte, als es sich Klaus Plischke und die Anderen des Hofguts Oberfeld vorgestellt hatten.

Die Gruppe war mit dem Ergebnis vollkommen zufrieden und den Aufenthalt in Deutschland haben alle sehr genossen.

Hundertwasser, Mathilde und der Biergarten

Die Baucampteilnehmer besuchten die schöne Stadt Darmstadt mit ihrem weltbekannten Hundertwasserhaus, dem Schloss und Herrngarten, der Mathildenhöhe und dem Hochzeitsturm. Wahrend dieser zwei Wochen hat die Gruppe jeden Tag, besser gesagt: jeden Abend etwas gemeinsam unternommen: wir gingen in den Biergarten, um die deutsche Kultur kennen zu lernen ;),waren baden im See, besuchten die Heidenmühle, wo frühere Projekte des Bauordens stattfanden, veranstalteten einen Grillabend, zu dem viele Freunde des Projektes eingeladen waren. Außerdem waren wir auf einem Frankfurter Flohmarkt und haben die Frankfurter Innenstadt besucht und trafen uns mit einem anderen Baucamp des Bauordens im Luisenpark in Mannheim.

Packt mit uns an!

Abschließend möchte ich nur sagen, dass dieses Projekt allen Teilnehmern sehr viel Spaß gebracht hat und dem Hofgut Oberfeld einen schönen, funktionierenden ;) Backofen - also der Bauorden hat seine Bestimmung erfüllt. Wenn Ihr auch Spaß an internationalen Begegnungen habt, sehr gerne mit anderen Jugendlichen zusammen arbeiten wollt, schon immer den Traum hattet, andere Länder besser kennen zu lernen und die gemeinnützigen Bauprojekte, wie dieses im Darmstadt, mit Eurer Hilfe unterstützen wollt, dann kommt zum Internationalen Bauorden und packt mit uns an! Wir freuen uns auf Euch! 

 

Olena (23) kommt aus der Ukraine und studiert in Nürnberg Soziale Arbeit.

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