Baucamps

Erfahrungsberichte

Bunte Hunde in Bulgarien - Baucamp in einem Kinderheim

Sehr geehrte Mitarbeiter des Internationalen Bauordens!

Wie im letzten Jahr wollte ich meine Ferienzeit auch in diesem Sommer nutzen und habe mir wieder eines ihrer Bauprojekte ausgesucht. Diesmal führte mich mein Weg nach Bulgarien, in die kleine Stadt Sredets.

Drei Wochen lang haben Gabi und Magdalena aus Österreich, Erik und Jozef aus den Niederlanden, ich und unser bulgarischer Freund und Übersetzer Georgi Ivanov im Kinderheim von Sredets gearbeitet.

Unser Wohnhaus, ein Hochhaus, in dem Schüler während der Schulzeit leben und das während unseres Aufenthaltes renoviert wurde, befand sich am Rande der Stadt in direkter Nachbarschaft zu dem Kinderheim und zu der Schule, in deren Kantine wir jeden Tag Frühstück und Mittagessen einnahmen. Der Fußmarsch ins Zentrum dauerte etwa eine Viertelstunde. Dort haben wir jeden Abend in einem Restaurant, eine sogenannte „Mexanata“ gegessen und die bulgarische Küche genossen. Der Tisch und das Essen war immer für uns vorbestellt von Rosi Petscheva, eine Freundin von Violeta Kyoseva von FAR und Bildungsbeauftragte der Stadt Sredets. Sie hat sich um alles Organisatorische gekümmert.

Neben der Planung für unsere Wochenendausflüge hat sie u.a. dafür gesorgt, dass wir Kühlschränke bekommen haben (!) und dass wir uns mit den Jugendlichen des örtlichen Vereins zum Volleyballspielen treffen konnten.

Hühnchen in der Mexanata

Ich bin als erste am Samstagmorgen angekommen. Die Abholung am Flughafen hat gut geklappt. Am Abend haben Rosi und ich zusammen mit unserem Übersetzer, Georgi Jabov aus Sredets, die zwei österreichischen Mädels vom Flughafen abgeholt. Zum Abendessen waren wir dann zum ersten Mal in der Mexanata. Wir sind gefragt worden, was wir gerne hätten: Hühnchen, Schwein oder Vegetarisches? Wir haben uns für Hühnchen entschieden. Und wir bekamen Hühnchen, aber nur Hühnchen! In vier verschiedenen Variationen! Dazu gab es bulgarisches Bier. Das war schon mal ein interessantes Geschmackserlebnis.

Den Sonntag über waren wir auf uns gestellt und haben uns auch selbst versorgt – wie die nächsten Sonntag auch, eingedeckt mit fetten Essenspaketen aus der Kantine, die für eine Woche gereicht hätten. Am Abend sind dann noch die Jungs aus Holland angekommen.

Wie bunte Hunde

Beim Mittagessen in der Schulkantine am nächsten Tag tauchten plötzlich Rosi und zwei uns noch unbekannte Damen auf. Wir setzten uns zusammen und sie stellten sich als die Verantwortlichen von FAR vor: Petya Petrova und Violeta Kyoseva. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde sind wir zusammen ins Kinderheim gegangen, wo wir die Direktorin getroffen haben und uns erklärt wurde, welche Arbeiten wir übernehmen sollten. Danach haben wir uns ins Rathaus zu einem Besuch beim Bürgermeister begeben. Er und die Leute in der Stadt konnten sich überhaupt nicht vorstellen, warum wir hier sind und was für eine Arbeit wir da machen, dass junge Westeuropäer hierher kommen und in ihrer freien Zeit arbeiten. Wir sind aufgefallen wie Bunte Hunde. Man hat uns erzählt, dass wir von den Leuten „Die internationale Brigade“ genannt werden. Und in der Mexanata waren wir bekannt als „Die Engländer“.

Alte Tapete runter, neue Farbe drauf

Am Dienstag ging die Arbeit los. In drei großen Durchgangsräumen mussten die alten Tapeten, eine Art Teppichboden an der Wand, runter, da sie als gesundheitsschädlich galten. Das Herunterreißen war kein Problem. Allerdings waren an den Wänden die Papierrückseiten der Tapeten hängen geblieben und die mussten nun in Zeit aufwändiger Geduldsarbeit mit Spachteln abgekratzt werden. Diese Aufgabe allein hat mehr als zwei Tag in Anspruch genommen. Das hat dann schon manchmal genervt. Es war nicht besonders schwer, aber die Tapete klebte noch sehr hartnäckig an der Wand. Darunter befand sich der Kleber. Er war zwar angetrocknet, aber es war nicht möglich mit Farbe darüber zu malen. Die Direktorin wollte jedoch nicht neu tapezieren. So wurde einen Tag lang diskutiert wie weiter vorgegangen werden soll. In der Zwischenzeit haben wir damit begonnen den Gartenzaun neu mit grünem Lack zu streichen.

Ende der Woche kamen dann professionelle Meister die über die verkleisterten Wände eine Masse spachtelten, damit sie dann bestrichen werden konnten, wobei uns die erfahrenen Männer auch tatkräftig zur Seite standen.

Innerhalb der drei Wochen konnten wir alle Aufgaben, die wir uns vorgenommen hatten, problemlos in Angriff nehmen und fertigstellen. In den ersten Tagen waren wir besonders motiviert, was dann mit der Zeit etwas nachgelassen hat, was hauptsächlich an der großen Hitze lag und an der Verlockung, lieber mit den Kinder zu spielen, aber auch daran, dass die Bauarbeiter einen Teil unsere Arbeit übernommen hatten.

Wir haben also die drei Räume fertig gestrichen und dazu den Gang im Keller und die Straßenseite des Maschendrahtzaunes. Diese Arbeit ist zum Teil noch vor dem Frühstück erledigt worden, weil es später am Tag so heiß war, dass es nicht erträglich war in der Hitze zu arbeiten.

Ausflüge an die Schwarzmeerküste

In unserer Freizeit haben wir uns ausgeruht, die Stadt erkundet und Besorgungen gemacht oder sind rüber ins Kinderheim zu den Kindern gegangen. Einige sind auch ein paar Mal mit dem Bus nach Burgas an den Strand gefahren.

An den Wochenenden waren Ausflugsprogramme für uns organisiert worden. Der Direktor des Kulturzentrums in Sredets und ein anderer Herr, der ebenfalls Mitglied im Kulturverein ist und Leiter eines Behindertenheimes in einem Nachbarort, haben sich mit uns im Minibus auf den Weg gemacht, den Südosten Bulgariens zu erkunden: Das schöne Küstenstädtchen Sozopol, der Strandja-Nationalpark, der Strand an der Südküste in direkter Nachbarschaft zur Türkei und kleine orthodoxe Kirchen an heiligen Quellen waren nur einige Stationen auf unseren Trips.

Am letzten Freitagnachmittag haben wir noch mal mit allen Verantwortlichen einen Ausflug nach Nessebar unternommen. Dieses Städtchen gilt neben Sozopol als schönstes Reiseziel an der  bulgarischen Schwarzmeerküste .

Ciaobye

Die drei Wochen in Bulgarien waren wirklich etwas besonders, was letz endlich – glaube ich - am meisten an den Kindern lag. Die Kleinen, zwischen drei und sechs Jahre alt und über 60 an der Zahl, haben sich immer riesig gefreut, wenn wir am Morgen zur Arbeit gekommen sind oder einfach am Nachmittag vorbeigeschaut haben. Wir haben sie schon von weitem nach uns rufen hören. Unser Spitzname war „Ciaobye“, weil wir uns, als wir zum ersten Mal bei ihnen gewesen waren, mit „Ciao“ und mit „Bye“ verabschiedet hatten. Das war echt lustig, als uns dann immer „Ciaobye“ entgegen gerufen wurde. Es ist einfach unglaublich, was so kleine Menschen in einem bewegen können. Jetzt in den Wochen danach vermisse ich sie noch am meisten.

Auch sonst hatten wir tolle soziale Kontakte mit Einheimischen, sei es mit den Betreuerinnen, mit unserem Kellner oder eben mit Georgi Jabov und seiner Familie. Wir konnten sogar etwas Bulgarisch lernen.

Großes Glück hatten wir auch mit unserem Georgi Ivanov, der ja zuvor ein Jahr in Deutschland beim IBO gearbeitet hatte und sehr gut Deutsch spricht. Er hat uns die bulgarische Lebensart noch näher gebracht und immer perfekt gedolmetscht. Ohne ihn wären wir oft hilflos gewesen. Vielen Dank!

Ein beeindruckender Abschied

Das Beeindruckendste am ganzen Baulager war wohl der Abschied. Als wir am letzten Tag ins Kinderheim gingen, hatten wir keine Ahnung was uns erwarten würde. Da standen die Kleinen ganz schick angezogen nebeneinander aufgereiht. Die Betreuerinnen haben sich mit ganz lieben Worten bei uns, auch im Namen der Kinder, bedankt: für die Arbeit, die wir im Kinderheim geleistet haben und dass wir unsere freie Zeit mit den Kindern verbracht haben. Dann wurde uns ein Ständchen gesungen und die Kinder haben uns selber gebastelte Geschenke überreicht.

Anschließend waren wir mir Geschenke verteilen dran. Spielsachen und Kuscheltiere, die wir von Zuhause mitgebracht oder noch in Sredets besorgt hatten – damit jedes Kind eines bekommt - haben wir an die Kids verteilt. Das war wie an Weihnachten.

Was für Auswirkungen!

An diesem Tag war auch eine Reporterin vom örtlichen Radiosender da, die uns anschließend interviewte. Alle haben sich so herzlich bei uns bedankt. Die Verantwortlichen von FAR haben uns erklärt, wie schwierig es ist, die Menschen in Bulgarien von freiwilliger Arbeit oder sozialem Engagement zu überzeugen. Sie stoßen auf viel Misstrauen und können nur wenige Leute für ein Projekt des Bauordens gewinnen. Sie sagten, wir hätten ihnen sehr geholfen, den Menschen in Bulgarien zu zeigen, was mit so einem Einsatz verbunden ist und welcher Gewinn diese Begegnungen für die Verständigung der Europäer darstellt.

Wir waren alle total überwältigt von so viel Dankbarkeit. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Was für Auswirkungen unser Aufenthalt haben würde! Es sind einige Tränen geflossen. Das war wirklich eines der beeindruckendsten Erlebnisse, die ich je hatte.

Danke

Der Dank kommt aber auch von unserer Seite. Neben allen Verantwortlichen und Organisatoren ist besonders auch Georgi Jabov zu danken. Wir hatten den Eindruck, dass er mit der Aufgabe, sich um uns zu kümmern und für uns zu übersetzen, überrumpelt worden war. Wahrscheinlich deshalb, weil er einzige ist, der Englisch sprechen kann. Wir sind ihm für seine Mühen und seine Gastfreundschaft und die seiner Mutter sehr dankbar.

Ich habe wunderbare Erfahrungen und Begegnungen erlebt, die ich nie vergessen werde. Und ich bin vor allem auch Ihnen sehr dankbar, dass sie das ermöglicht haben. Allgemein möchte ich ein großes Lob an den Internationalen Bauorden aussprechen. Dank Georgi, der uns viel von seinen Erfahrungen in Deutschland erzählt hat, habe ich jetzt einen besseren Einblick in die Arbeit des IBO und fühle mich mehr damit verbunden.

Herzlichen Dank für diese Chance!

Liebe Grüße und „Ciaobye“

Maria-Magdalena

 

Maria-Magdalena (20) studiert Ethnologie in der Schweiz. Der Einsatz in Sredets war ihr zweites Baucamp.

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