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Joseph Schmitt wurde vor 100 Jahren geboren

Joseph Schmitt schloss sich 1954 dem Internationalen Bauorden an und wurde zu dessen maßgeblichem Wegbereiter und -begleiter. Von 1962 bis 1980 gehörte er als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender dem Vorstand des Internationalen Bauordens mit Sitz in Leuven/Belgien an.

FULDA. Heute vor 100 Jahren wurde Joseph Bonifatius Pius Schmitt als ältestes von fünf Kindern des Fuldaer Weingroßhändlers Eduard Schmitt und seiner Ehefrau Eugenie geboren.

Sein Name war in der Nachkriegszeit, eigentlich fast bis zu seinem Tode am 28. November 1998, aufs Engste mit christlicher Nächstenliebe und vielfältigem ehrenamtlichen Einsatz verknüpft. Dem studierten Juristen und Volkswirt war es als engagiertem Katholik ein Anliegen, nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Depression und materielle Not anzugehen.

Bereits 1947 gab er den Anstoß zur Gründung der Wohnungsbaugesellschaft Siedlungswerk Fulda. Denn für die damals 37.000 Fuldaer und 10.000 Heimatvertriebene gab es nur 6700 Wohnungen. Der aus dem Notstand geborene Gedanke wurde zum Erfolg. Das Siedlungswerk konnte in den folgenden Jahren über 3000 Wohnungen errichten. 1956 kandidierte Schmitt für das Amt des Fuldaer Oberbürgermeisters als Nachfolger für Dr. Cuno Raabe. Kurz vor der Wahl entschied sich die Führung der Fuldaer CDU aber für den damals in Fulda noch unbekannten Dr. Alfred Dregger als Parteikandidaten.

Der engagierte Katholik Schmitt stellte sich nach seinem Abitur 1926 als führendes Mitglied des „Windthorstbundes“, der Jugendorganisation der Zentrumspartei, aktiv gegen das nationalsozialistische System. Als junger Richter am Landgericht Kassel geriet er ins Visier des später berüchtigten Präsidenten des Volksgerichtshofes, Dr. Roland Freisler. Schmitt wurde nach Stettin strafversetzt und erhielt drei Jahre Heimatverbot. In Island, wohin er auswandern wollte, hatte er seine Frau Cilli kennen gelernt.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrte Schmitt schwerverletzt in seine Heimatstadt Fulda zurück. Mit starkem Willen und Überzeugungskraft machte er sich an den Neuanfang. 1946 rief er den Albertus-Magnus-Verein ins Leben, der studierwillige Jugendliche förderte. Daneben gründete er die Rabanus-Gemeinde, die öffentliche Vorträge für die Bürgerschaft veranstaltete. Er wählte den freien Beruf des Anwalts nicht zuletzt deshalb, um sich vielfältig in Kirche und Gesellschaft engagieren zu können.

1949 gelang es ihm als Vorsitzenden des Landesschulelternbeirats, dass Hessen mit der erstmals gesetzlich verankerten elterlichen Mitbestimmung zum Vorreiter in der Bundesrepublik wurde. Nicht zuletzt dafür wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Maßgeblich verantwortlich war Schmitt für die Organisation des 76. Deutschen Katholikentages 1954 in Fulda, an dem auch 40  000 Gläubige aus der sowjetischen Besatzungszone teilnahmen. Danach wurde er eingeladen, dem Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem beizutreten. Hier wurde er der erste Leitende Komtur der Komturei Rabanus-Maurus in Fulda. Der Orden unterstützt Schulen und Krankenhäuser der katholischen Kirche im „Heiligen Land“ – grenzübergreifend in Israel und Jordanien.

Die Hilfsorganisation „Internationaler Bauorden“ hat 2005 einen „Joseph-Schmitt-Preis“ ins Leben gerufen, mit dem Examensarbeiten zu Themen internationaler Jugendarbeit ausgezeichnet werden (www.joseph-schmitt-preis.de). Für seine Vision der Wiedervereinigung der Christen arbeitete er im Bund für evangelisch-katholische Wiedervereinigung mit Sitz in Dalherda aktiv mit. 1961 wurde Schmitt Mitgesellschafter des Druck- und Verlagshauses Parzeller. Mehr als drei Jahrzehnte wirkte er als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses. Seine Heimatgemeinde war die Dompfarrei. Dort gedenken seiner an seinem 100. Geburtstag im Pfarrgottesdienst seine Angehörigen.

aus: Fuldaer Zeitung, 24. August 2009
 

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