Bauorden

Erinnerung: Gedenkfeier für die ermordeten Sinti und Roma

"Es war die Hölle auf Erden"

2900 Sinti und Roma fanden allein in der Nacht zum 3. August 1944 in den Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau den Tod – vor allem Frauen, Kinder, Alte und Kranke. Die Arbeitsfähigen waren zuvor von ihnen getrennt und in andere Lager gebracht worden, nachdem sich rund 6000 Häftlinge vier Monate zuvor noch mit einem Aufstand gegen ihre Ermordung hatten wehren können.

65 Jahre nach dieser grauenvollen Nacht erinnerte der Internationale Bauorden (IBO) mit einer Gedenkfeier auf dem Rathausplatz an die Opfer des Nationalsozialismus. Über 500 000 Sinti und Roma seien in der NS-Zeit ermordet worden, berichtete IBO-Geschäftsführer Peter Runck den Gästen, die sich an der Gedenkstele eingefunden hatten. Unter denjenigen, die in Konzentrationslager verschleppt worden waren, befanden sich auch 61 Sinti und Roma aus Ludwigshafen – 30 von ihnen Kinder und Jugendliche.

Jugendliche gestalten die Feier

Marie Dörbaum, Svenja Ciorga und Malte Brennecke, die derzeit zusammen mit anderen jungen Erwachsenen an einem IBO-Camp im Wildpark teilnehmen, trugen Erinnerungsberichte vor und schilderten die Gräuel der Nationalsozialisten. „Das Schreien der Kinder schallte durch den Block, es war die Hölle auf Erden. Keiner konnte helfen, keiner griff ein: Alles, was hier geschah, war unfassbar“, zitierte Marie Dörbaum die Auschwitz-Überlebende Barbara Adler.

Die Gedenkfeier, bei der ein Kranz und einzelne Blumen für die Opfer vor dem Mahnmal für Sinti und Roma niedergelegt wurden, wurde von Gitarrist Uli Wagner mit gefühlvoller Musik begleitet. Der 1953 vom niederländischen Ordensmann Werenfried van Straaten gegründete Internationale Bauorden hat seinen Deutschland-Sitz in Ludwigshafen. Die gemeinnützige Organisation unterstütze auch immer wieder Projekte für Sinti und Roma, erklärte Runck. Zudem sei der Bauorden aus seiner Geschichte heraus „der Erinnerung und Versöhnung verpflichtet“.

Von Martin Vögele
Aus: Mannheimer Morgen, 6. August 2009

 

Das Schreien der Masse war unerträglich“

Gedenkfeier des Internationalen Bauordens auf dem Rathausplatz – Erinnern an Auschwitz-Opfer auch aus Ludwigshafen

Fast 3000 Sinti und Roma waren es, die in den Gaskammern des Konzentrationslagers Auschwitz in der Nacht vom 2. auf den 3. August ermordet wurden. Zum Gedenken an diese grausame Tat hatte der Internationale Bauorden (IBO) eine Gedenkfeier organisiert. Einige Leute, unter ihnen jugendliche Teilnehmer eines Baucamps, kamen dazu am Montag vor dem Rathaus-Center zusammen.

„Das Schreien der Masse war unerträglich. Ich weiß nicht, wie lange wir fuhren, bis wir Halt machten, um den Waggon von Unrat zu säubern“, lautet einer der Sätze aus dem Erinnerungsbericht einer Auschwitz-Überlebenden. Vorgetragen wurden diese Zitate von drei Jugendlichen, die derzeit an einem Baucamp im Rheingönheimer Wildpark teilnehmen. Eine davon war Marie Dörsbaum. „Es war nicht einfach, die Sätze angemessen vorzulesen“, sagte die 21-Jährige. Auch wenn nicht viel Zeit blieb, sich genauer damit auseinanderzusetzen, war sie sich in einem sicher: „Es ist eine schwierige Thematik“.

Es sei wichtig, die Menschen nicht zu vergessen, die in Auschwitz sterben mussten, betonte Peter Runck, Geschäftsführer des IBO. „Unter ihnen waren auch viele Ludwigshafener“, sagte er in seiner Ansprache. Die Auseinandersetzung damit sei nicht nur eine Sache der Opfer, sondern betreffe alle. Über 500.000 Sinti und Roma seien es insgesamt gewesen, die dem Holocaust zum Opfer fielen – 2900 alleine in der Nacht auf den 3. August 1944.

Der IBO hat es sich zur Aufgabe gemacht, internationale Jugendbegegnungen zu organisieren. „Vor allem Ost-West-Begegnungen“, erklärte Runck. Ein wichtiges historisches Motiv sei dabei die Aussöhnung. Denn gegründet wurde der IBO bereits nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit einem halben Jahr hat die Vereinigung ihren Sitz in Ludwigshafen. Derzeit findet ein Baucamp im Rheingönheimer Wildpark statt. Junge Menschen aus Belgien, Deutschland, Taiwan und China treffen dort aufeinander. Auch bei der Gedenkfeier waren sie dabei und legten Rosen für die Opfer nieder. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Uli Wagner. Er entlockte seiner Gitarre leise und ergreifende Töne.

Ort der Feier war das Mahnmal auf dem Rathausplatz. In der Aufschrift des Gedenksteines wird deutlich: Es geht um die Sinti und Roma aus der Umgebung, die vom früheren Hauptbahnhof Ludwigshafen in polnische Konzentrationslager deportiert wurden. (rxs)

Aus: Die Rheinpfalz, Ausgabe Ludwigshafen, 5. August 2009

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